31.03.2023

Zahl der Börsengänge sinkt um acht Prozent

Autokonzerne auf der Überholspur

© moomsabuy/fotolia.com

Geopolitische Spannungen, hohe Zinsen und Bankenkrise bremsen den weltweiten IPO-Markt. Das Emissionsvolumen im ersten Quartal hat sich mehr als halbiert mit einem Rückgang um 61 % auf 21,5 Milliarden US-Dollar – der niedrigste Stand seit drei Jahren.

Weltweit schieben Unternehmen aktuell ihre Börsenpläne auf und hoffen auf bessere Rahmenbedingungen: Insgesamt wagten im ersten Quartal weltweit 299 Unternehmen den Sprung aufs Parkett – 8 % weniger als im vom Krieg in der Ukraine geprägten Vorjahresquartal. Weil es zudem deutlich weniger große Erstnotizen an den Weltbörsen gab, schrumpfte das Emissionsvolumen sogar um 61 % von 54,6 auf 21,5 Milliarden US-Dollar – der niedrigste Stand seit dem ersten Quartal 2019, als insgesamt 15,1 Milliarden US-Dollar erlöst wurden. Die Zahl der Börsengänge mit einem Emissionsvolumen oberhalb der eine-Milliarde-Marke sank im Jahresvergleich von sieben auf einen.

Zwei Börsengänge in Deutschland

Vom Rückgang des Emissionsvolumens am stärksten betroffen waren die chinesischen Börsen: Im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres sank dort das Emissionsvolumen um 66 % von 30,1 auf 10,3 Milliarden US-Dollar. Die Zahl der Börsengänge ging deutlich weniger stark – um 11 % – von 97 auf 86 zurück. In Europa sank das Emissionsvolumen um 26 % auf 2,1 Milliarden US-Dollar, die Zahl der Börsengänge schrumpfte um 47 % auf 27.

Die Vereinigten Staaten waren der einzige Börsenplatz mit zunehmenden IPO-Aktivitäten, wenngleich auf einem nach wie vor sehr niedrigen Niveau: Die Zahl der Börsengänge an US-Börsen kletterte um 29 % auf 31, das Emissionsvolumen legte um 6 % auf 2,5 Milliarden US-Dollar zu.

Die Erstnotiz der deutschen Webhosters Ionos belegte im ersten Quartal Platz zehn im Ranking der weltweit größten Börsengänge. Insgesamt gab es in Deutschland neben dem Ionos-IPO mit der Erstnotiz der Neon Equity AG an der Börse Düsseldorf zwei Börsengänge.

Energieunternehmen im Fokus der Investoren

Vom weltweiten Emissionsvolumen von 21,5 Milliarden US-Dollar entfiel mehr als ein Viertel, 5,9 Milliarden US-Dollar, auf Energieunternehmen, obwohl diesem Sektor nur 18 von 299 Transaktionen bzw. 6 % zuzuordnen waren. Auch der größte Börsengang des laufenden Jahres war ein Energie-IPO: Die Erstnotiz der Gassparte des Ölkonzern Adnoc aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erbrachte 2,5 Milliarden US-Dollar. Von den zehn größten Börsengängen im ersten Quartal waren vier Energieunternehmen.

Emissionen von Mantelgesellschaften (SPACs) kommen zum Erliegen

Weltweit wurden im ersten Quartal 16 SPACs mit einem Volumen von insgesamt 0,9 Milliarden US-Dollar neu emittiert, ein Minus von 78 % bezüglich der Zahl bzw. 92 % bezüglich des Wertes. Der SPAC-Boom ist vorüber. Viele SPAC-Investoren forderten ihre Einlagen zurück, so dass oft weniger Geld als geplant für Fusionen mit operativ tätigen Unternehmen zur Verfügung steht. Zudem drückt die oft schlechte Aktienperformance von SPAC-Zusammenschlüssen auf das Investorensentiment.

Technologieunternehmen streben weiterhin an die Börse

Die meisten Börsengänge wurden im ersten Quartal in den Segmenten Technologie (62), Industrie (54) durchgeführt, gefolgt vom Rohstoffsektor (49). Das höchste Emissionsvolumen verzeichnete – nach der Energiebranche – der Industriesektor mit 4,6 Milliarden US-Dollar.

Die größten Transaktionen im ersten Quartal waren die Erstnotiz von ADNOC Gas (2,5 Milliarden US-Dollar) sowie die Börsengänge des US-Herstellers von Solarenergieanlagen Nextracker und des chinesischen Lithium-Lieferanten Hunan Yuneng New Energy Battery Material im Volumen von 734 bzw. 663 Millionen US-Dollar.

EY vom 30.03.2023 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro


Weitere Meldungen


Schild, Aufwärtstrend, Grün, green
Meldung

© bluedesign/fotolia.com

20.06.2024

ifo erhöht Prognose auf 0,4 % Wachstum für 2024

Das ifo Institut hat seine Prognose für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr auf 0,4 % heraufgesetzt, von 0,2 % bislang. Im kommenden Jahr dürfte es sich beschleunigen auf 1,5 %. „Es entsteht gerade neue Hoffnung“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich langsam aus der Krise. Das zweite Halbjahr 2024 dürfte deutlich besser ausfallen als das

ifo erhöht Prognose auf 0,4 % Wachstum für 2024
Import, Export, Industry 4.0, Industrie, Logistik, Versand, Augmented reality, smart logistic
Meldung

©zapp2photo/fotolia.com

19.06.2024

Multikrise belastet industrielle Wertschöpfung

Die deutschen Industrie-Unternehmen blicken pessimistisch in die Zukunft: Mehr als 80 % der Firmen rechnen mit rückläufigen Gewinnen, wie die aktuelle Ausgabe des Supply Chain Pulse Check von Deloitte und Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) zeigt. Denn die bei Rohstoffen und Vorprodukten stark importabhängige Industrie kann ihre globalen Lieferketten immer weniger oder nur mit hohem Aufwand

Multikrise belastet industrielle Wertschöpfung
Ausblick, Innovation, Start up, Gender, Frau, Erfolg, Gleichstellung
Meldung

© Minerva Studio/fotolia.com

19.06.2024

ZEW-Konjunkturerwartungen stagnieren

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland verändern sich in der Umfrage vom Juni 2024 nur geringfügig. Sie liegen mit plus 47,5 Punkten um 0,4 Punkte über dem Wert vom Mai. Die Einschätzung der aktuellen konjunkturellen Lage verschlechtert sich hingegen leicht. Der Lageindikator für Deutschland fällt um 1,5 Punkte und liegt aktuell bei minus 73,8 Punkten. „Die Konjunkturerwartungen

ZEW-Konjunkturerwartungen stagnieren

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das CORPORATE FINANCE Gratis Paket: 1 Heft + Datenbank