• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Kommunikation im M&A Prozess – Einbindung von Stakeholdern

02.05.2018

Kommunikation im M&A Prozess – Einbindung von Stakeholdern

Beitrag mit Bild

© kritchanut/fotolia.com

Fusionen und Übernahmen sind tiefgreifende Veränderungssituationen, in denen nicht selten die Interessen verschiedener Anspruchsgruppen wie Finanzinvestoren, Aktionäre, Mitarbeiter oder Gewerkschaften aufeinandertreffen. Wenn diese ihre Interessen nicht hinreichend berücksichtigt sehen, entsteht während des Übernahmeprozesses häufig eine emotional aufgeladene Debatte. Die Konsequenz: Eine faktenbasierte Bewertung der Vor- und Nachteile der Transaktion rückt in den Hintergrund. In dieser Situation kann ein Moderator unterstützen, die Konflikte frühzeitig zu erkennen und auszutarieren.

Als Hinderungsgründe auf dem Weg zum erfolgreichen Abschluss einer M&A-Transaktion werden neben harten Faktoren wie Kaufpreis und Preisverhandlung, häufig schwindendes Vertrauen im Due Diligence-Prozess, der Umgang mit Risiken, der strategische und kulturelle Fit der Unternehmen und die Komplexität des Targets aufgezählt. Genannt werden aber auch Faktoren, die von der Frage bestimmt werden, wie die Ansprüche von Beteiligten – und damit von potenziellen Kritikern und Blockierern – aufgenommen und berücksichtigt worden sind. Neben den rein rechtlichen, steuerlichen oder betriebswirtschaftlichen Aspekten kommt damit einer systematischen und sensiblen Kommunikation im M&A-Prozess eine besondere Bedeutung zu.

Kein Wunder, denn die unterschiedlichen Anspruchsgruppen der involvierten Unternehmen weisen während des Übernahmeprozesses häufig gegensätzliche Interessen auf. Unterschwellig vorhandene Konflikte können zutage treten und öffentlich werden.

Eine Kommunikation, die aufgrund unterschiedlicher Informationsstände von Gerüchten, Emotionen und Feindbildern geprägt ist, macht es dem Treiber des M&A-Prozesses schwer, die Kommunikationshoheit wiederzuerlangen und den Stakeholdern die Möglichkeit zu vermitteln, sich ein fundiertes, sachliches und neutrales Urteil über den Nutzen der Transaktion zu bilden. Eine rationale Betrachtung der Vor- und Nachteile einer Transaktion gerät dabei aus dem Blickfeld.

Das Stakeholder-Umfeld kontinuierlich im Blick behalten

Die Einbindung der Stakeholder ist elementar für die erfolgreiche Umsetzung von Transaktionsprozessen. Die richtige Kommunikation sollte deshalb während eines M&A-Prozesses einen ähnlichen Stellenwert wie die Ausarbeitung und Verhandlung der Verträge haben. Das wiederum erfordert, dass die Auswirkungen der Akquisition auf die Stakeholder nach Bezugsgruppen differenziert, klar und eindeutig kommuniziert werden. Gute Kommunikation spricht dabei sowohl die Sachebene als auch die Gefühlsebene an. Es kommt entscheidend darauf an, wie diese Veränderungen von den unterschiedlichen Anspruchsgruppen wahrgenommen werden.

Die Rolle des externen Moderators

Externe Kommunikationsexperten können dabei helfen, die relevanten Anspruchsgruppen zu identifizieren, deren Bedenken, Interessen und Erwartungen aufzunehmen und im Transaktionsprozess kommunikativ zu berücksichtigen. An Kunden und Mitarbeiter wird dabei schnell gedacht. Doch auch Dienstleister, Partner, Netzwerke, Verwaltung oder Politik können berechtigte Interessen an einer Einbindung haben. Ein externer Moderator fungiert dabei als Clearing-Stelle im Transaktionsprozess und agiert üblicherweise in folgenden Schritten:

Analyse

Zunächst ist das gesamte Umfeld der von der Transaktion betroffenen Interessengruppen zu analysieren. Ein Experte hilft dabei, einen möglichst analytischen und unabhängigen Blick auf das Umfeld zu richten. Das Resultat ist eine Stakeholderlandkarte, die zusammen mit dem Prozess wächst. Sie bietet ein gutes Instrument der Sensorik, um kommunikative Chancen und Risiken schnell zu erkennen und um Konflikte möglichst frühzeitig zu bearbeiten.

Moderation

Häufig verhärten sich Positionen in einem M&A-Prozess – aus Missverständnissen wird Misstrauen. Um dies zu vermeiden kann es sinnvoll sein einen Experten hinzuzuziehen, der die Ansprüche und Erwartungen aufnimmt und moderiert. Dies kann – je nach Phase des Prozesses – ein Szenario-Workshop mit den wichtigsten Führungskräften der fusionierten Unternehmen sein, genauso wie ein Sounding Board (Projektbeirat) mit wichtigen Stakeholdern oder eine innovative Mitarbeiterkonferenz, auf der den Beschäftigten die Transaktion vorgestellt und ihr Sinn vermittelt wird.

Aufbereitung von Fakten und Visualisierungen

M&A-Prozesse basieren auf komplexen Zahlenwerken und fachlichen Einschätzungen. Diese Fakten an der Schnittstelle zur internen wie externen Öffentlichkeit möglichst pointiert zu übersetzen und sie visuell aufzubereiten, z. B. durch eingängige Infografiken, ist ein wesentlicher Bestandteil, um kommunikative Souveränität zu entwickeln. Hier ist es wichtig den Blick auf die wichtigen Botschaften und Fakten zu lenken. Die Kommunikation und Gestaltung bietet darüber hinaus die Möglichkeit der Emotionalisierung. Fakten alleine richten gegen Ängste, Befürchtungen oder Sorgen nichts aus.

Fazit

Neben den betriebswirtschaftlichen, rechtlichen oder steuerlichen Aspekten kommt der Kommunikation im M&A-Prozess eine besondere Bedeutung zu. Die Einbindung der Stakeholder ist für die erfolgreiche Umsetzung elementar, weil während des Übernahmeprozesses häufig unterschiedliche Interessen zutage treten. Für den Treiber der Transaktion geht es darum, die Kommunikationshoheit über den Prozess zu behalten und zu steuern. Dabei helfen externe Kommunikationsexperten, die als Clearing-Stelle im Transaktionsprozess fungieren und das Umfeld der betroffenen Interessengruppen mit ausgewählten Tools begleitend analysieren. Dies kann beispielsweise die Erstellung einer Stakeholderlandkarte sein, ein Szenario-Workshop mit den ausgewählten Führungskräften der fusionierten Unternehmen, die Einrichtung eines Projektbeirats mit wichtigen Stakeholdern oder eine innovative Mitarbeiterkonferenz. Die visuelle Aufbereitung des Zahlenwerks durch eingängige Infografiken lenkt den Blick auf die wichtigen Botschaften und Fakten.

Autoren: Dr. Maik Bohne, Die Gesprächspartner, Experte für Dialog und Stakeholderbeteiligung; Stefan Eggerstedt, Raikeschwertner Financial, Experte für Finanzkommunikation.


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

©tashatuvango/ fotolia.com

14.07.2026

Investitionsbereitschaft im Mittelstand fällt auf Allzeittief

Die Investitionsbereitschaft deutscher Mittelständler ist so niedrig wie seit Beginn der Erhebung 1995 nicht mehr. Nur noch 52% der Unternehmen wollen in den kommenden sechs Monaten investieren. Das zeigt eine Umfrage der DZ Bank und des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken unter mehr als 1.000 Firmen. Hohe Kosten bremsen Unternehmen Die Geschäftserwartungen bleiben schwach:

Investitionsbereitschaft im Mittelstand fällt auf Allzeittief
Meldung

©pitinan/123rf.com

14.07.2026

Elektroprämie befeuert den deutschen E-Auto-Markt

Die staatliche Kaufprämie hat den deutschen Elektroautomarkt im zweiten Quartal deutlich belebt. Mit knapp 208.400 Neuzulassungen wurde ein neuer Quartalsrekord erreicht. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg der Absatz um 54%. Von dem Wachstum profitieren jedoch vor allem ausländische Hersteller. Deutsche Konzerne wachsen langsamer Die deutschen Autobauer steigerten ihre Elektroverkäufe zwar um 31%, ihr gemeinsamer Marktanteil sank

Elektroprämie befeuert den deutschen E-Auto-Markt
Meldung

© pichetw/fotolia.com

13.07.2026

Globales M&A-Geschehen zeigt sich resilient

Der globale M&A-Markt hat das erste Halbjahr 2026 als Spiel zweier Hälften erlebt: Auf einen rekordverdächtigen Start folgte im zweiten Quartal ein spürbarer Rückgang. Das zeigt der aktuelle Quarterly Deal Performance Monitor (QDPM) von WTW, der in Zusammenarbeit mit dem M&A Research Centre der Bayes Business School erstellt wird. Auf Basis der Aktienkursentwicklung schnitten Käuferunternehmen,

Globales M&A-Geschehen zeigt sich resilient
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)