05.09.2018

CFO als Navigator im digitalen Wandel

Beitrag mit Bild

© pichetw/fotolia.com

Durch die digitale Transformation können Chief Financial Officer (CFO) als zentrale Navigatoren im Unternehmen einen deutlich größeren Wertbeitrag liefern als bisher. Voraussetzung dafür ist allerdings eine neue Ausrichtung der Finanzfunktion, in organisatorischer, vor allem aber in technologischer Hinsicht.

Das zeigt die Studie „Jäger oder Gejagter? Die neue Rolle des CFO im Mittelstand“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, für die 200 CFOs und Leiter Finanzen im deutschen Mittelstand befragt wurden.

Sparring-Partner des CEO

So glauben 86 Prozent der befragten Finanzchefs, dass die datengestützte strategische Beratung der Geschäftsführung bis zum Jahr 2025 der größte Wertbeitrag des Finanzbereichs sein wird. Für 84 Prozent gehört dazu auch die Unterstützung bei Investitions- und Desinvestitionsentscheidungen. Beides bringt neue und erweiterte Aufgaben mit sich: 81 Prozent der Befragten denken dabei an Handlungsempfehlungen durch Data Analytics, 79 Prozent gehen von einem übergreifenden Qualitäts- und Prozessmanagement aus und 75 Prozent erwarten, künftig eine aktivere Rolle bei der Steuerung von Geschäft und Marge zu spielen. Mehr als die Hälfte sieht sich auch in der Pflicht, wenn es um die Entwicklung digitaler Lösungen und die Bereitstellung nicht-finanzbezogener Daten geht.

„Damit gehört das Bild des CFOs als bloßem Zahlenverwalter, das seiner Rolle ohnehin noch nie gerecht wurde, endgültig der Vergangenheit an: Die Finanzexperten werden durch die Digitalisierung noch mehr zum Sparring-Partner der CEOs – sie werden wahrscheinlich sogar ein festes Tandem mit dem CEO bilden“ so Uwe Rittmann, Leiter Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC

„Durch neue Technologien können Finanzverantwortliche künftig mehr und andere Daten erfassen und analysieren – und zwar in Echtzeit. Dadurch werden Vorhersagen viel präziser, beispielsweise ob und ab wann sich ein neues digitales Geschäftsmodell rechnet. Dazu bedarf es aber eines kulturellen Wandels, den die Unternehmen wollen und zulassen müssen“, so Uwe Rittman weiter.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Doch die Digitalisierung ist für 81 Prozent der CFOs eine große oder sehr große Herausforderung – ebenso wie der dauerhafte Effizienzdruck (81 Prozent der Befragten) sowie die Gewinnung und Weiterbildung von Mitarbeitern (71 Prozent). Dass die Digitalisierung zu Mitarbeiterreduktionen führt, glaubt das Gros der Befragten übrigens nicht: 68 Prozent gehen von gleichbleibenden oder sogar steigenden Beschäftigten aus, rechnen allerdings mit veränderten Qualifikationen, da neben dem klassischen Finanzwissen zunehmend Kompetenzen in den Bereichen IT, Big Data und Mathematik erforderlich werden. „Insgesamt wird ganz deutlich: Alltag ist die Digitalisierung noch nicht“, sagt Gori von Hirschhausen, bei PwC Europe Leiter Finance Consulting. „Das zeigt auch die zurückhaltende Nutzung neuer Technologien. Prescriptive und Predictive Analytics zur Lieferung von Handlungsempfehlungen sowie Künstliche Intelligenz und Robotik zur Prozessautomatisierung nutzen heute im Schnitt erst zwei bis fünf Prozent der CFOs.“

Hindernisse sollten nicht zum Stillstand führen

Als größte Hindernisse beim Aufbau einer zukunftsfähigen Daten- und Technologienutzung werden Zeitdruck (65 Prozent), die fehlende Integration von Systemen (59 Prozent), die bestehende Organisation und bestehenden Prozesse (56 Prozent) sowie Budgetdruck (45 Prozent) genannt.

„All diese vermeintlichen Hindernisse lassen sich mit einem schlagenden Argument aus dem Feld räumen: Datengestützte Verfahren verbessern die betrieblichen Leistungsprozesse, weil sie genauer analysiert werden können. Das führt zu fundierteren unternehmerischen Entscheidungen und die wiederum machen jedes finanzielle oder personelle Investment lohnenswert“, sagt Gori von Hirschhausen.

Und Uwe Rittmann ergänzt: „Absichtserklärungen reichen bei der digitalen Transformation nicht – entscheidend ist ihre Umsetzung, wenn die CFOs diesen Zug nicht verpassen wollen. Ich sehe hier dringenden Handlungsbedarf, auch weil fast die Hälfte der CFOs noch gar kein Ziel für den Finanzbereich entwickelt hat.“ Verwunderlich ist deshalb, dass die Finanzchefs trotz allem ganz zufrieden sind: 87 Prozent mit ihrer Organisation, 86 Prozent mit der Qualifikation ihrer Mitarbeiter und 84 Prozent mit ihrer Datenqualität. „Diese Zufriedenheit ist gefährlich, weil sie den Handlungsbedarf vertuscht“, warnt Rittmann. „Denn wer der neuen Normalität der digitalen Transformation nicht aktiv begegnet, wird rasch vom Jäger zum Gejagten.“

(Pressemitteilung PwC vom 05.09.2018)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

© Erwin Wodicka /fotolia.com

02.07.2026

Unternehmen setzten auf strikten Sparkurs

In der angespannten wirtschaftlichen Situation fokussieren sich die Finanzverantwortlichen in Deutschland auf Kostenreduktion (68 %), die Integration von Künstlicher Intelligenz (64 %) und ihr Kerngeschäft (50 %). Knapp weniger als die Hälfte der Finanzverantwortlichen baut auf Innovationen (48 %), sehr viel weniger auf die Erschließung neuer Märkte (40 %) oder neuer Geschäftsfelder (28 %), um

Unternehmen setzten auf strikten Sparkurs
Meldung

© moomsabuy/fotolia.com

01.07.2026

IPO-Markt mit Rekordvolumen im zweiten Quartal

Ein ereignisreiches 2. Quartal liegt hinter dem globalen IPO-Markt; die Zahlen weisen deutliche Verschiebungen im Vorjahresvergleich auf. Während die Zahl der weltweiten Börsengänge im Vergleich zum Vorjahresquartal leicht von 246 auf 250 stieg, wuchs das Emissionsvolumen massiv von 32,1 auf 144,8 Milliarden US-Dollar. Damit wurde der höchste Quartalswert seit Beginn der EY-Aufzeichnungen im Jahr 2003

IPO-Markt mit Rekordvolumen im zweiten Quartal
Meldung

©pitinan/123rf.com

01.07.2026

Unternehmen vermelden hohe Investitionsbedarfe, aber niedrige Investitionsplanungen

Die deutschen Unternehmen nehmen bei sich große Investitionsrückstände wahr. In einer Unternehmensbefragung, die KfW Research gemeinsam mit 19 Spitzen-, Fach-, und Regionalverbänden der deutschen Wirtschaft durchgeführt hat, gaben 92 % der Unternehmen an, dass sie grundsätzlich Investitionsbedarf haben. Am häufigsten sehen sie diesen im Bereich Digitalisierung, wo 53 % Bedarf melden. Demgegenüber planen allerdings lediglich 61 % der

Unternehmen vermelden hohe Investitionsbedarfe, aber niedrige Investitionsplanungen
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)